Bhaktapur, 1. November 2013

Und wieder ist es die kleine Saraswoti, die mich als Erste im Haus begrüßt. Sie strahlt mich mit ihrer Zahnlücke an und ich erinnere mich sofort an sie. Die Kinder spielen im Hof. Menuka ist deutlich schüchterner. Sie beobachtet mich aus ihrer Gruppe heraus aber ganz genau. Ich lerne die Praktikanten aus Deutschland kennen. Navraj stellt sie mir vor. Es sind vier Mädchen und zwei Jungs. Die jungen Leute verbringen mehrere Monate im Haus. Mit Anna komme ich rasch ins Gespräch und spüre dabei, dass die jungen Leute ihre Entscheidung nicht bereut haben. Sie erleben, wie wichtig ihre Arbeit hier ist. Anna erzählt mir, in welchem beklagenswerten Zustand manche Kinder sind, wenn sie von der Organisation aufgenommen werden. Vor Navrajs Arbeit haben sie großen Respekt. Den teile ich mit ihnen. Keine zehn Minuten sind vergangen, da sitzen Menuka und Saraswoti bei uns am Tisch und leisten uns Gesellschaft. Alle im Haus freuen sich sehr auf unser morgiges Picnic und die Abwechslung, die für die Kinder damit verbunden ist. Gerade in den Ferien sei es besonders schwierig, sie den ganzen Tag zu beschäftigen, erzählen mir die Volunteers. Auch sie haben sich auf unsere Unternehmung bereits eingestellt. Schließlich ist es in Kathmandu nicht möglich, mit 46 Kindern so eben mal in die Stadt zu gehen. Meine größte Sorge, die mich in den letzten Tagen bewegt hat, ist mir damit genommen: Liege ich richtig mit meiner Idee, diesen Ausflug mit den Kindern zu machen? Ist das zu verantworten? Nun kann ich dem Höhepunkt meiner Reise mit Beruhigung entgegensehen. Vorfreude macht sich breit.

Menuka und Saraswoti
Menuka und Saraswoti

Krishna überreicht mir bei Mittagessen in Bhaktapur feierlich drei Tagetesblüten. Es ist die Blume ihrer Gottheit, deren Namen sie trägt. Sie heißt mich damit in Nepal willkommen. Wir sind nach dem Besuch bei den Kindern im Gangabo-House in einem klapprigen Taxi auf der staubigen Piste aus Kathandu hinausgefahren. Krishna arbeitet heute im Auftrag von Hari für mich.

Drei Tagetesblueten zur Begruessung
Drei Tagetesblüten zur Begrüßung

Bhaktapur rüstet sich für das Tihar, das an diesem Tag beginnt. Es ist hier ein bedeutendes Fest, das Buddhisten und Hindus gleichermaßen begehen. Wir lassen uns durch die Stadt mit seinen zahlreichen Tempeln und Märkten treiben. Krishna erzählt mir von sich. Sie ist 25 Jahre alt und studiert in Kathmandu Englisch. Ihr Traum ist eine feste Arbeit in der Tourismusbranche. Stolz zeigt sie mir ihre Gästeführerlizenz. Wir treffen im Tourismusbüro auf einen ihrer Kollegen, der mit ihr die Prüfung gemacht hat. Seine Anstellung bei der Regierung ist in Nepal der begehrte „Sechser im Lotto“. Ich kann die ärmlichen Verhältnisse, unter denen meine Begleiterin ihr Studium finanzieren muss, nur erahnen. Sie ist ein Trennungskind und wohnt im Hause ihres Vaters, der sie nicht unterhalten kann. Strom haben sie nicht. Ich lade Krishna zu unserem morgigen Picnic ein.

Krishna ist stolz auf ihre Gästeführerlizenz
Krishna ist stolz auf ihre Gästeführerlizenz

Ein Gedanke zu “Bhaktapur, 1. November 2013

  1. Kathrin

    Wir freuen uns riesig, dass wir durch deine genialen Berichte, ein bisschen an deiner Reise teilhaben können!!! Pass´ auf dich auf! Viele Grüße aus Beilstein. Kaddy, Christopher & Mika

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